Butterflyeffect

Ein unerwartetes Kompliment und seine Folgen……..

 

 

 

Im Zeitalter der totalen Digitalisierung prasseln tag-täglich unendlich viele Informationen auf uns ein.

 

 Ich muss gestehen, dass ich die meisten Newsletter und Nachrichten-Apps mittlerweile entweder abbestellt habe, ignoriere und/oder stumm geschalten habe.

 

Ich kann es weder ertragen, immer und überall über alles, was auf dieser Welt geschieht, vollumfänglich informiert zu werden (zumal die Info`s ja einfach mal so im Raum stehen und sich oftmals im Nachhinein noch relativieren – sprich: Panik verursacht haben ohne Grund) noch kann ich irgendetwas grundsätzliches ändern am Weltgeschehen.

Dazu kommen die mittlerweile gefühlt Tausenden Mitteilungen von Bekannten und Freunden, die oftmals dazu neigen, der Weltgemeinschaft jedes Glas Milch und jedes Brötchen, welches sie über den Tag verteilt zu sich nehmen, brav dekoriert zu präsentieren. Ich poste auch ganz gerne mal am Samstagmorgen meinen gedeckten Frühstückstisch aber dann geht es darum meinen Freunden zu zeigen, dass es mir gut geht bzw. ich es mir gut gehen lasse (meine Freunde wissen das auch). Ich komme nur mit der sich verbreitenden Mentalität „mein Haus, mein Boot, meine Frau/mein Mann“ immer weniger zurecht - ich muss nicht immer unbedingt genau das Gleiche oder etwas Besseres haben als mein Nachbar.

 

 

Ich bin ein unglaublich empathischer Mensch und kann es nicht verhindern, dass mich dieser Informationstsunami emotional so stark beeinflusst, dass es mir anschließend schlecht geht und ich weiß gar nicht wirklich zu sagen, warum.

 

Natürlich habe ich trotzdem noch mehr als genug Bekannte und Freunde, von denen ich die Nachrichten ungefiltert zulasse. Das müsste ich vielleicht von Zeit zu Zeit einmal hinterfragen (oder stummschalten oder rauswerfen aus der Freundesliste), andererseits klicke ich auch nicht völlig unbedarft jedesmal auf „JA“ wenn eine Freundschaftsanfrage kommt. Ich überlege mir das schon eine Weile, ehe ich eine Anfrage annehme. Ich muss grundsätzlich nicht unbedingt jeden Facebookfreund persönlich kennen, denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man manchmal jahrelang mit jemandem auf FB „einfach so“ befreundet gewesen sein kann und dann ergibt es sich, dass man sich auch persönlich kennen lernt – und das kann sehr nachhaltig wunderbar sein.

 

Von daher wird es eine Weile brauchen, bis ich mich einmal dazu aufraffe, die Freundesliste durchzuackern und dann auch konsequent auszumisten. Ich möchte außerdem verhindern, dass ich mich um die wundervollen Möglichkeiten bringe, die so ein soziales Netzwerk eben auch bietet - aus vituellen Freunden reale Freundschaften entstehen zu lassen…..ein Drahtseilakt.

 

 

 

Warum ich aber heute hier sitze und nach fast einem Jahr (!!!!!!!!!!) wieder einmal einen Blogbeitrag schreibe ist – das unerwartete Kompliment eines Facebookfreundes 😊

 

 

 

Da erreicht mich heute eine Nachricht von ihm (er ist einer von denen, wo ich erst kürzlich überlegt habe, ob ich auf „JA“ klicke, den ich also nicht persönlich kenne, der mich aber nicht mit unzähligen sinnfreien Post’s nervt und so in den Genuss meiner fast sofortigen Aufmerksamkeit kam) und da steht:

 

 

 

„dein Blog ist genial“. . .

 

 

 

Blog? Welcher Blog? O M G – stimmt ja: ich habe da ja diesen/meinen Blog. Und ich hatte so unglaublich viel Freude daran, den Blog mit leben zu füllen und überhaupt hatte ich 1000 Ideen mindestens im Kopf, was es da alles zum bloggen gibt …….. was ist passiert

 

 

In einem ersten Impuls nutze ich die nächste sich bietende Gelegenheit und rufe auf meinem Tablet meine eigene Blogseite auf.

 

Mit einem Jahr Abstand stelle ich fest: WOW, da ist mir was Gutes gelungen, das gefällt mir!

 

Ich stelle fest, das da noch die eine oder andere Stellschraube ein bisschen gedreht werden kann aber im Großen und Ganzen passt alles. Eh ich weiter darüber nachdenken kann bin ich mitten drin, meine Blogbeiträge selbst zu lesen UND zu meinem großen Staunen, NACHZUEMPFINDEN.

 

Ich bin fast augenblicklich wieder genau in dem Moment, als ich die jeweiligen Beiträge geschrieben habe, stelle fest, ich wollte ja da eigentlich hier und da noch was dazu ergänzen, ich wollte, ich wollte, ich wollte………

 

 

 

Ich wollte wieder einmal zu viel auf einmal!

 

 

 

Freilich ist es nicht besonders reizvoll, sich eine eigene Website aufzubauen und dann bleibt sie nach einem recht guten Start einfach so brach liegen. SO wird das nix! Auch wenn ich weit davon entfern bin, mich von diesem, meinem „Geschreibsel“ ernähren zu wollen so hat sich doch an der Tatsache, das ich gerne schreibe, so rein gar nichts geändert.

 

 

Die Prioritätenliste war eine ganz andere in den letzten 12 Monaten und wenn ich jetzt rückblickend so darüber nachdenke: auch Schreiben braucht Zeit und ein Mindestmaß an Ruhe und Ausgeglichenheit.

 

 

Ruhe und Ausgeglichenheit – wann hatte ich das in den letzten Monaten?

 

 

Nach dem plötzlichen Tod meines Vaters standen so unglaublich viele Dinge an. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich noch in meine alte Heimat gefahren bin, um die nun mal notwendigen Dinge zu erledigen. Neben den ganzen Formalitäten die Auflösung seiner Hinterlassenschaften. Nicht nur körperlich sondern für mich vor allem emotional ein ungeheurer Kraftakt. Meine Schwester schien da weit weniger emotional involviert zu sein. Oftmals habe ich mit einer Mischung aus Staunen und Entsetzen zugeschaut, wie sie verschiedene Dinge, die unserem Vater gehörten, scheinbar federleicht entsorgt und / oder weggegeben hat. War vielleicht auch gut so – im Nachhinein betrachtet.

 

 

Im Job geht es seit Monaten drunter und drüber, von meiner ehemaligen „Als-ich-anfing-Crew“ ist fast niemand mehr da – man hat das Gefühl, die ….verlassen das sinkende Schiff.

 

Das Schiff wird natürlich nicht sinken, immerhin hab ich mir einen krisensicheren Job im öffentlichen Dienst ausgesucht aber es fühlt sich schon mehr als seltsam an, wenn ich heute mit meinen „nur“ 10 Dienstjahren bei diesem Arbeitgeber diejenige bin, die pädestiniert dafür wäre, mit einem Stempel „gehört zum Inventar“ verschönert zu werden.

 

Hinzu kommt, selbst wenn ich auch flüchten wollen würde – wer bitte stellt eine an MS erkrankte Dame ü 50 ein? ……und will diese Dame überhaupt etwas anderes machen? NEIN, will sie nicht also stellt sich nicht die Frage nach dem OB sondern nach dem WIE. Wie schaffe ich es, trotz gefühlter 200 prozentiger Arbeitsbelastung mich nicht gnadenlos zu überfordern (klingt nach der Quadratur des Kreises)?Eine Antwort hab ich noch nicht gefunden .....

 

 

 

So „ganz nebenbei“ wurde Anfang diesen Jahres mein geliebter roter Kater quasi von einem Tag auf den anderen so krank, dass wir ihn trotz wochenlangem Versuch, ihn wieder aufzupäppeln letztlich von seinem Leiden erlösen mussten. Das war dann gleich noch einmal ein emotionaler Tiefschlag – immerhin hatte ich dieses Miezekätzchen vor ziemlich genau 10 Jahren im Alter von 5 Wochen zu uns geholt und zu dem dicken, frechen, roten Gafieldähnlichem Prachtexemplar aufgezogen, der er zum Schluß war.

 

 

 

Und zu guter Letzt steht da ja auch in ein paar wenigen Wochen die Konfirmation meines „Pupertiers“ an, was einiges an Organisationstalent von mir erfordert.

Weil das aber alles offensichtlich noch nicht so ganz das Fass zum Überlaufen bringt, hab ich mir vor ein paar Wochen bei einem „ich will nur mal schauen und mich informieren-Shopping-trip“ eine neue Küche gekauft. Die soll (natürlich) noch vor der Konfirmation in meinem trauten Heim aufgestellt werden damit ja alles schön aussieht und seine Ordnung hat. Das damit aber auch das Ausräumen und Entsorgen der bisherigen Küche einher geht, dass da noch eine Elektrofirma geoordert werden muss, die noch ein paar Steckdöschen mehr anbringt und wenn schonmal die Wände blank dastehen, selbige auch einen neuen Farbanstrich brauchen, wird mir gerade jetzt schmerzhaft bewusst.

 

 

Entschleunigtes Leben geht anders!

 

 

 

So what – ich muss da jetzt durch auch wenn damit feststeht, dass ich zumindest vor der Konfi meiner Tochter wohl eher nicht mehr dazu kommen werde, mich hier erneut zu Wort zu melden. Allerdings muss ich zugeben, dass ich meinem lieben FB-Freund sehr, sehr dankbar bin für seine Nachricht heute morgen – er hatte mit Sicherheit nicht beabsichtigt, mich zu einem neuen Beitrag zu animieren – hat er aber trotzdem gemacht.

 

 

 

„Wenn ein Schmetterling mit seinen Flügeln schlägt, kann am anderen Ende der Welt ein Tornado entstehen“ – wir alle haben schon einmal dieses Sprichwort vom „Butterflyeffect“ gehört 😊

 

 

 

Für heute mein lieber FB-Freund, warst du mein Schmetterling, der dieses Blogbeitrag verursacht hat…..

 

 

 

Auf bald …….

 

 

 

 

 

Steffi